Schönheit und Begehren: Der Prado in Madrid zeigt „Mythologische Leidenschaften“

Andromeda war die Tochter des äthiopischen Königs Kepheus und der Kassiopeia. Weil diese mit ihrer Schönheit geprahlt hatte, wurde Andromeda auf Weisung von Poseidon an einen Felsen am Meer geschmiedet und sollte dem Meeresungeheuer Ketos geopfert werden. Perseus besiegte das Ungeheuer, rettete Andromeda und nahm sie zur Frau. So überliefert es die griechische Mythologie. Paolo Veronese hat die Schlüsselszene dramatisch in Szene gesetzt: Sein riesiges Gemälde, über zweieinhalb mal zwei Meter groß, zeigt fast in Lebensgröße, wie die Schöne sich verzweifelt windet, wie das grässliche Untier sein Maul aufsperrt und aus dem Meer gierig zu ihr hochglotzt, während der jugendliche Held im letzten Augenblick und mit gezücktem Schwert aus der Luft zur Rettung naht.

Viele Jahrhunderte lang haben die Maler und Dichter Europas in ihren Bildern und Texten Szenen aus der griechisch-römischen Mythologie aufgegriffen. „Mythologische Leidenschaften“ heißt die aktuelle Austellung im Prado-Museum Madrid, die 29 Werke berühmter Künstler vereint, darunter Paolo Veronese, Diego Velasquez, Peter Paul Rubens und vor allem Tizian, dessen Bilderzyklus „Poesie“ zum ersten Mal seit seiner Entstehung  im 16ten Jahrhundert vollständig zu sehen ist.

Raub der Europa. Tizian. Mit freundlicher Genehmigung des Isabella-Stewart-Gardner-Museum, Boston
Raub der Europa. Tizian. Isabella-Stewart-Gardner-Museum, Boston

Zu sehen ist viel nackte Haut – weibliche Haut. Frauen werden geopfert, verschleppt, entführt wie die Europa, oder zumindest von ihrer eigenen Begierde überwältigt, wie Venus, die dem Adonis verfällt. All diesen Werken liege die Idee zu Grunde, dass „Liebe, Begehren und Schönheit eng verbunden“ und die Menschen ihnen ausgeliefert seien, meint der Kurator Alejandro Vergara. Ein Maler, immerhin, dreht die Blickrichtung um: José de Ribera lässt seine Venus bekleidet auf ihren Adonis treffen und sich am Anblick seines entblößten Rückens weiden.

Venus und Adonis. José de Ribera.
Venus und Adonis. José de Ribera. Roma, Gallerie Nazionali d’Arte Antica di Roma

Die „Mythologischen Leidenschaften“ sind noch bis zum 4. Juli im Prado zu sehen.

Museum Nacional del Prado, Madrid

Bildhinweis: „Perseus und Andromeda“ von Paolo Veronese. Mit freundlicher Genehmigung des Musée des Beaux Arts, Rennes

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