Vienna Meets Prague. Das Tschechische Kulturfestival

Wien war in den vergangenen Tagen der Veranstaltungsort für ein junges grenzüberschreitendes Festival unter dem Titel „Vienna meets Prague“. Im Café Westend, in der Exile Gallery, in der tschechischen Botschaft und an anderen Orten konnte das Wiener Publikum tschechischen Schriftstellern, bildenden Künstlern und Musikern begegnen. Vom 12. bis 20. Juni lief „Vienna meets Prague“.

„Die Idee wurde vor etwas mehr als einem Jahr geboren, und zwar inmitten des Lockdowns. Wir haben uns gedacht: ‚Alle Veranstaltungen werden abgesagt, was machen wir? Wir gründen ein neues Festival.‘ Es war eine sehr gewagte Aktion, sag ich mal. Aber wir hatten auf der anderen Seite als neue Kulturinitiative eine Flexibilität und konnten sehr gezielt auf die Pandemie und auf die Situationen in der Veranstaltungswelt reagieren. Das hat uns gewissermaßen die Arbeit erleichtert.“ Sagt Kulturmanagerin Anna Rendl die das Festival ins Leben gerufen hat.

Zeitgenössische feministische Kunst

POKORNÁ Die Ausstellung Pokorná (auf Deutsch: Demütig) in der angesagten Galerie in der Elisabethgasse wurde von Anežka Jabůrková kuratiert. Das Thema care work oder Care-Arbeit habe im Mittelpunkt gestanden, sagt die Kunsthistorikerin. Darunter fallen unbezahlte Hausarbeit und Kinderbetreuung ebenso wie bezahlte Pflegearbeit. Eng mit diesem Begriff ist die Tatsache verbunden, dass Frauen den größten Anteil an diesen Tätigkeiten verrichten:

„Die zwei Künstlerinnen setzen sich mit diesem Thema auseinander. Die eine mit Hilfe der Malerei und die andere mit Installation und Bildhauerei. Von Martina Smutná war eine Serie von Gemälden mit dem Namen ‚Wäscherin‘ zu sehen. Es ist eine Auseinandersetzung mit alten Meistern. Die Künstlerin kritisiert quasi das romantisierende Bild weiblicher Arbeit in der klassischen Kunst der alten Meister. Und die Skulpturen von Sáro Gottstein setzen sich mit unserer Wahrnehmung der Arbeit, nicht nur der Hausarbeit, sondern auch der Arbeit von Frauen oder der Pflegearbeit in Fabriken auseinander.“

Bohumil Hrabal ist der vielleicht originellste tschechische Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Mit seinem Werk hat er einen ganz spezifischen Prager Kosmos geschaffen: eine Welt der Anti-Helden und sanften Barbaren, eingetaucht in eine seltsam berührende und traurige Zärtlichkeit. Oft sind die Erzählungen charakterisiert durch groteske Übersteigerungen und merkwürdige Inszenierungen im Namen des angeblich ,gesunden‘ Menschenverstands. Zwei große Linien der Prager Literatur (vielleicht die größten), Jaroslav Hašek und Franz Kafka, scheinen in seinem Werk zusammenfinden. Hrabals ganz eigene Schöpfung sind die Bafler, die mit ihrem Gebabbel die ernste Welt der Politik und der hohen Ideale erzählerisch in den Wahnsinn treiben, so wie auch Hrabal selbst ein großer Geschichten- und Anekdotenerzähler war – am liebsten in seinem Prager Stammlokal Zum goldenen Tiger.Das Kulturfestival „Vienna meets Prague“ widmete sich in diesem Jahr dem großen Prager Erzähler mit einem Schwerpunkt, der verschiedene Formate verbindet.

Das Festival wurde von der Kulturinitiative „Vienna meets Prague“, unter der Künstlerischen Leitung von Anna Rendl und Tereza Chaloupková, organisiert. Kooperationspartner waren das Institut für die Wissenschaften vom Menschen (IWM), das Tschechische Zentrum in Wien, die Botschaft der Tschechischen Republik in Österreich, Národní filmový archiv, die Österreichische Gesellschaft für Literatur (ÖGL), USUS am WASSER, die Österreichisch-Tschechische Gesellschaft, die Karlskirche Wien, die Stadt Wien, das Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport, die Stadt Prag, Bezirk Neubau und das Czech Literary Centre.

Weiterführende Informationen zum Festival „Vienna meets Prague“

„Vienna meets Prague“: Neun Tage tschechische Kunst und Kultur in Wien. Radio Prague International

Vienna Meets Prague. Das Tschechische Kulturfestival. Institut für die Wissenschaften vom Menschen. Wien

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